F1 The Movie: Ich habe mir den Apple-Film für euch angesehen

Lohnt sich der Kinobesuch?

Seit mehr als 30 Jahren interessiere ich mich für den Motorsport, dank Michael Schumacher natürlich auch für die Formel 1. Ich habe als Redakteur sogar für ein Motorsport-Magazin gearbeitet und zahlreiche DTM-Rennen vor Ort besucht. Ich weiß also grob, worum es geht, wenn sich irgendwo Räder drehen und im Kreis gefahren wird. Einen Film über die Formel 1, das war dann aber doch Neuland für mich.

Anfang des Jahrtausends hat schon mal jemand etwas Ähnliches versucht. Sylvester Stallone ist damals allerdings bei der Formel 1 abgeblitzt und hat seinen Film Driven, übrigens mit Til Schweiger in einer der Hauptrollen, zusammen mit der Champ-Car-Serie gedreht. Herausgekommen ist eine ziemlich unrealistische Geschichte mit noch unrealistischeren Szenen. Ich darf vorwegnehmen: Das hat Joseph Kosinski, der auch für die Neuauflage von Top Gun verantwortlich war, zusammen mit Brad Pitt und Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton bedeutend besser hinbekommen.


Sonny Hayes war bereits vor 30 Jahren in der Formel 1

Im Mittelpunkt des Films steht Sonny Hayes, der als Nachwuchsfahrer bereits in den 90ern in der Formel 1 antrat, nach einem schweren Unfall aber zunächst in der Versenkung verschwand und dann nur noch aus Lust und Laune bei diversen Rennen unterwegs war. Sein ehemaliger Teamkollege Ruben Cervantes hat es dagegen zum Chef eines Formel-1-Teams geschafft, das allerdings in Schwierigkeiten steckt. Für sein schwächendes Team APXGP kann er seinen Freund zu einem Comeback überreden.

In F1 The Movie dürft ihr nicht die herausragendste Geschichte aller Zeiten erwarten. Es reicht allerdings aus, um eine gewisse Spannung aufzubauen, so dass man in den rund 150 Minuten ziemlich schnell beginnt, mit dem fiktiven Team mitzufiebern. Und ganz nebenbei versucht Sonny Hayes nicht nur auf der Strecke zu punkten, sondern auch bei Kate McKenna, der technischen Direktorin von APXGP. Neben Spannung auf der Strecke gesellt sich so auch noch ein wenig Witz und Charme dazu.

Was mir als Motorsport-Fan besonders gut gefallen hat, das waren die Szene auf der Strecke. In F1 The Movie sieht es tatsächlich so aus, als würden sich die Boliden von APXGP mit den bekannten Formel-1-Autos duellieren, obwohl sie auf der Strecke natürlich nie wirklich gegeneinander gefahren sind. Auch dank Apples Technik sind hier Szenen entstanden, in denen man die Geschwindigkeit absolut spüren kann, ohne dass es unrealistisch wird.

Natürlich wird die Action auf der Strecke überspitzt dargestellt und insbesondere Sonny Hayes zieht auch das eine oder andere Manöver ab, das so in der Formel 1 wohl nicht passieren würde. Ein wenig Hollywood muss halt sein. Für mich gab es nur einen „jetzt übertreiben sie aber“-Moment, als Sonny Hayes‘ Teamkollege in Monza einen Unfall baut und vielleicht ein kleines bisschen zu spektakulär abfliegt. Echte Fehler im Film konnte ich nur wenige ausmachen, etwa als der schwere Unfall von Hayes in der Rückblende auf der Strecke von Brands Hatch und nicht wie im Film angesprochen in Jerez passiert.

Gute Unterhaltung mit übertriebenem Kommentar

In den rund zwei Stunden im Kino habe ich mich letztlich wunderbar unterhalten gefühlt. Nur eine Sache ging mir etwas auf den Keks: Den Stil der Kommentatoren während der Rennszenen. Vielleicht vermitteln sie im englischen Original eine bessere Atmosphäre, aus deutscher Formel-1-Sicht mit RTL und Sky im Hinterkopf passt das aber nicht wirklich.

Muss man denn nun ein Formel-1-Fan sein, damit man sich F1 The Movie im Kino anschauen kann? Sicherlich wird das helfen, die eine oder andere Szene besser einordnen zu können. Genau wie es bei Top Gun sicherlich vorteilhaft ist, wenn man Flugzeuge cool findet. Trotzdem sollte der Film auch allen anderen Spaß machen, denn auch abseits der Strecke passiert dafür genug…

Fotos: Apple

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Ich bin seit dem Start dieses Blogs im Jahr 2010 dabei und schreibe weiterhin gerne informative Artikel über Apps und Gadgets. Besonders freue ich mich neben neuen Smart Home Geräten auch immer wieder über kleine Spiele für iPhone und iPad, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann.

Kommentare 11 Antworten

  1. Noch mal ein paar persönliche Worte. Ich bin nicht sehr oft im Kino, daher ist alleine die Leinwand schon beeindruckend. Ich war erst kürzlich in Mission Impossible, das war von der Spannung noch mal ne ganz andere Nummer. Trotzdem fand ich F1 recht unterhaltsam, vor allem weil tatsächlich auch mal ein paar Dinge passiert sind, die man so nicht geahnt hat. Definitiv kein schlechter Film 🙂

  2. Nur für uns hast du dir den Film angesehen? Wie lieb von dir!

    Als langjähriger Motorsport-Fan gehe ich morgen dann auch ins Kino. Man wird sicherlich über einiges schmunzeln können, aber solange ich gut unterhalten werden, kann man ja darüber hinwegsehen. Bin gespannt.

      1. Im Endeffekt wie erwartet. Die „Story“ ist hauchdünn. Als Motorsport und F1 Fan sitzt man immer wieder kopfschüttelnd da und wundert sich über den Blödsinn, der da gezeigt und vor allem auch gesagt wird. Ich hatte mehr erwartet, weil sie ja wirklich sehr nah dran waren und die F1 lange begleitet haben. Dachte, dass da mehr Realismus zustande komm Sobald man aber darüber hinwegsehen kann, können die Bilder wirklich begeistern und das Renn-Feeling kommt ganz gut rüber. Unterhaltsam und hübsch anzusehen ist der Film auf jeden Fall. Hirn aus und Autos angucken, dafür reicht es ganz gut. Ein Rush oder Le Mans 66 ist es leider nicht geworden.

  3. Das Wrack des Lotus sind Original Aufnahmen, unmittelbar nach dem Crash von Martin Donelly, 1990 in Jerez. Aufgrund eines Defekts schoss sein Bolide im Qualifying in die Mauer, das Karbon-Honeycomb Chassis platzte unmittelbar, Donnelly, noch am Tank und 220 km/h festgeschnallt, ohne Schutz, verletzte sich lebensgefährlich an dem Aufprall und lag lange im Koma. Seine ersten Worte nach dem Koma: „FU**“
    Er fuhr nie wieder in der F1, galt als eines der großen Talente, erholte sich aber, fuhr kleinere Rennserien und ist ein glücklicher Familienvater.

  4. Die Zielgruppe des Films sind halt weniger die langjährigen Motorsport-Fans, sondern eher die „Generation Influencer“. Und dafür ist er gut geeignet, nicht zuletzt weil er handwerklich eben auch gut gemacht ist.
    Die Referenz in Sachen Motorsport-Film wird aber weiterhin John Frankenheimers „Grand Prix“ von 1966 bleiben, alles andere wäre eine große Überraschung gewesen.

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